Projekt Samstagspause #01


Als ich gestern Abend in meinem Terminkalender die nächste Woche planen wollte, ist mir das erste Mal erst aufgefallen, wie viel ich tatsächlich von meiner Zeit nur arbeite. Versteht mich nicht falsch, ich mache das gerne. Ich bin einerseits sehr ehrgeizig und möchte alles, was ich tue, auch gut tun. Andererseits macht mir das Studium und meine Arbeit wirklich unheimlich viel Spaß. 
Aber ich merke einfach, dass es mich persönlich doch sehr einengt. Ich bin tendenziell eher jemand, der nicht sehr gut auf sich selbst aufpasst, was Stress angeht. Oft überarbeite ich mich hemmungslos, weil ich es gar nicht merke. Ein Blick rüber zu meiner Harfe sagt schon alles: Wie lange sitze ich denn nun schon an diesem einen Stück, das ich immer noch nicht kann, weil mir immer wieder etwas wichtiger erscheint? Dabei ist doch die Harfe meine tiefste Leidenschaft. Es ist doch das, was ich früher am liebsten den ganzen Tag gemacht hätte. 
Und ähnlich ist es mit den Büchern. Während ich früher teilweise am Tag nichts anderes getan habe, bin ich heute froh drum, wenn ich überhaupt mal ein paar Seiten zu Gesicht bekomme. Ich studiere erst seit diesem Semester, aber die philosophischen Texte sind sehr zeitintensiv und oft merke ich, dass ich, nachdem ich den ganzen Tag mit diesen schwierigen Texten gearbeitet habe, keinen Nerv und auch keine Lust mehr habe, noch mehr zu lesen. Und wenn ich dann mal lese, dann meistens nur noch halbherzig, des Lesens willen und... ich weiß nicht. Dieses besondere Leseerlebnis ist einfach durch den  selbst erschaffenen Zeitdruck verflogen.
Ich vermisse es, einfach mal nur das zu tun, was ich wirklich liebe. Deswegen habe ich mir folgendes überlegt.
Da ich Sonntags arbeite habe ich mir den Samstag zum freien Tag erklärt. Ein Tag, an dem in meinem Kalender einfach mal nichts eingeplant werden darf, außer Freizeitbeschäftigungen. Ich habe mich auch gefragt, wie ich mich ständig daran erinnern kann und bin auf den Schluss gekommen, dass ich immer wieder stehen bleiben und mich fragen muss: Bist du noch glücklich? Ist es das, was du willst?
Und diese Fragen wiederum habe ich noch einmal zerstückelt in generelle Fragen und Fragen bezogen auf mein Leseverhalten. 

1. Was hast du heute gelesen?

Heute habe ich das Licht der letzten Tage gelesen und bin gut voran gekommen!

2. Wie hast du dich während des Lesens gefühlt? Wie fühlst du dich jetzt?

Zwischenzeitlich war ich ein wenig verwirrt, weil ich immer wieder Probleme damit habe, mir viele Personen auf einmal zu merken. Aber ich mag das Buch bis jetzt und finde es sehr spannend.
Was mich betrifft war ich sehr entspannt. Ich habe anfänglich Angst gehabt, dass ich mich mit dem Projekt nur unter Druck setze, aber ich habe wirklich sehr viel Spaß gehabt :)

3. Was war das einprägsamste Zitat? Und warum?

"Privatsphäre als Offenbarung: Sie kann die Straße entlanggehen, und absolut niemand weiß wer sie ist." (S. 98)
Ich habe mir auch oft Gedanken darüber gemacht, wie das mit der Anonymität ist. Ich bin in einem absoluten Kaff groß geworden, wo sich jeder kannte. Und jetzt wohne ich in einer Großstadt, die mir eben genau dieses Gefühl gibt. Deswegen ist mir dieses Zitat sehr im Kopf geblieben. 

4. Worüber musstest du auch danach noch nachdenken?

Ich habe mich generell gefragt, inwiefern eine solche Pandemie, wie sie im Buch beschrieben wird, überhaupt ausbrechen kann. Woher diese Grippe kommt und ob das in irgendeiner Weise irgendwann mal real werden könnte. 
Ich bin sehr gespannt auf die Auflösung, weil ich es mir momentan noch gar nicht zusammenreimen kann. 


Das ist ein erster Startversuch für das Projekt Samstagspause. Ich weiß noch nicht,  ob und inwiefern es so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Aber ich hoffe, dass ich das einigermaßen konsequent durchziehen und hier dokumentieren kann.

Heute Abend werde ich diesen Post überarbeiten und die ersten Antworten zu den Fragen beantworten. Aber hier schonmal die Antwort auf die Frage, was ich heute lesen werde: Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel und evtl. auch noch Nacht ohne Sterne von Gesa Schwartz. 



Kommentare:

  1. Hey,
    Dein Problem kenne ich nur zu gut. Ich studier zwar noch nicht, sondern mache dieses Jahr mein Abi, aber dennoch ist das unglaublich zeitraubend - und nebenbei gehe ich auch noch arbeiten, mein freier Tag ist dann allerdings der Sonntag. Daher klingt deine Idee wirklich gut, denn sowas in der Art habe ich mir auch schon überlegt..
    Viel Erfolg mit deinem neuen Projekt :)
    Liebe Grüße,
    Jessi von JessiBuechersuchti.blogspot.de

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    1. Huhu!
      Abi habe ich ja letztes Jahr gemacht und ich weiß daher, wie kräftezehrend das ist. Ich wünsch dir dafür viel Erfolg!

      liebe Grüße
      Emilie

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  2. Liebe Emilie,

    du klingst wirklich, als hättest du deine "Samstagspause" dringend nötig! Gönn dir das unbedingt! Ich finde es toll, wie reflektiert du an dein bereits erkanntes Problem herangehen kannst und bin sicher, dass es dir gelingen wird, wieder mehr (Lese)Zeit für dich zu gewinnen.

    Ich verstehe dein Problem mit den Dingen, die man früher doch so gern und so häufig getan hat, und die dann plötzlich irgendwie unter allem anderen verloren gehen. Allerdings bin ich ein Mensch, dem es leicht gelingt, sich Zeit für sich zu nehmen. Das hat allerdings den negativen Nebeneffekt, dass ich Deadlines oft bis zur letzten Sekunde ausreize oder andere Sachen, die im Moment einfach wichtiger wären, nur halbherzig angehe. Eine Mischung aus beidem wäre wohl gut *lach*

    Liebe Grüße und viel Kraft für dein Vorhaben,

    Jacy

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    1. Huhu,

      Das Problem kennen glaube ich auch viele! Zumindest höre ich das wesentlich häufiger als mein besagtes Problem. Alles hat wohl Vor- und Nachteile, aber da hast du recht: eine Mischung wäre wohl das beste :)

      Ganz liebe Grüße
      Emilie

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