{Märchenmontag} Volksmärchen || Kunstmärchen


Seid gegrüßt, Märchenliebhaber!

Ein bestimmtes Lieblingsmärchen habe ich nicht, aber die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen ist definitiv einer meiner Liebsten. Ich konnte als Kind richtig in der Trauer versinken, die die kleine Meerjungfrau durchlitten hat und mich riss die Tragik und die Unschuld aller Parteien total mit. 
Wenn man mal damit vergleicht, was ich letztens über Rotkäppchen geschrieben habe, fällt eines sofort auf: Rotkäppchen hat im Gegensatz zur kleinen Meerjungfrau keinen Urheber, sondern wurde immer wieder mündlich weitergegeben und verändert. Das ist eigentlich auch schon ein entscheidender Unterschied zwischen Kunst- und Volksmärchen. 

Aber zunächst einmal zu den Gemeinsamkeiten:

Märchen ist die Verniedlichung von dem Mittelhochdeutschem Wort maere, was so viel wie Bericht bedeutet und es handelt sich dabei um Prosatexte, die über wundersame Begebenheiten erzählen. 
Im Gegensatz zu Mythen oder Sagen sind Märchen frei erfunden. Dennoch gibt es oft keine klare Trennung zwischen Mythen und Märchen.
Charakteristisch für Märchen sind, wie ihr sicherlich auch wisst, die phantastischen Elemente. Es herrschen andere Naturgesetze, Tiere können sprechen, Fabelwesen existieren. Außerdem kommen viele Symbole und häufige Wiederholungen vor: als Beispiel die Zahlen 3 ('drei Rätsel') oder 7 ('sieben Geißlein'). Meistens handelt ein Märchen von einem Helden oder einer Heldin, der/die eine oder mehrere Aufgaben lösen muss. 
Der knappe Darstellung von Begebenheiten, die einfache Erzählstruktur und die eindimensionalen Figuren machen Märchen besonders beliebt bei Kindern, aber es gibt eben auch Märchen, die ebenso für Erwachsene geschrieben sind. 

Gerade in Deutschland fallen Märchen einem gerade bei Märchen die Märchensammlung der Brüder Grimm ein. Diese Märchen sind ein tolles Beispiel für die Volksmärchen, die traditionellere und ältere Form der Märchen. Wie schon bei Rotkäppchen gezeigt gibt es nicht das originale Rotkäppchen. Es ist durch viele Entwicklungsstadien gelaufen und entwickelt sich immer noch weiter. Außerdem bestechen die Volksmärchen durch ihre Einfachheit. Schwarz-Weiße Figurenkonstellationen oder auch der einfache Sprachstil, sowie die leichte Moral machen den Charme aus. Ort und Zeit werden nicht genau definiert, es heißt nämlich stets "Es war einmal in einem Ort..."
Ebenso ist das formelhafte etwas typisches für das Volksmärchen. "Und wenn sie nicht gestorben sind..."

Kunstmärchen sind hingegen häufig komplexer. Nicht nur in der künstlerischen Feinheit, sondern auch von den Charakteren her. Es gibt moralische Graustufen und häufig keine eindeutig bösen/guten Figuren. Es gibt einen Autor, der den genauen Wortlaut festgelegt und die Protagonisten sehr detailliert beschreibt. Viele Kunstmärchen sind auch deutlich länger als die Volksmärchen. Ort und Zeit sind manchmal explizit genannt, allerdings nicht immer.
Ein weiterer Unterschied zum Volksmärchen ist der Versuch, durch das Phantastische bewusst eine Traumwelt zu erschaffen, die schöner und gerechter ist, als unsere. (Utopie) Gerade bei Das Mädchen mit den Schwefelhölzern wird das besonders deutlich, wie ich finde. Und auch dort findet man den Drang nach einer kritischeren Moral als bei Volksmärchen. 

Hier noch einmal zusammengefasst:

Übrigens ist die Unterteilung in "Volks-" und "Kunst-" nicht nur bei Märchen, sondern auch bei Liedern zu finden. Zur gleichen Zeit (Die Epoche der Romantik) gab es auch den gleichen Drang der Komponisten, komplexere Lieder zu schreiben. Es verhält sich ganz ähnlich zu den Märchen: Volkslieder sind ohne bekannten Komponisten und bestechen durch einfache, leichte Melodie, die jeder mitsingen kann, während Kunstlieder in vielerlei Hinsicht anspruchsvoller sind. (Wer sich dafür interessiert kann ja mal hier gucken: {Link} , als Hörbeispiel für ein Kunstlied empfehle ich den Erlkönig von Schubert)



Ich persönlich mag die Kunstmärchen lieber, weil ich besser darin versinken kann. Generell bin ich ein riesengroßer Fan von Hans Christian Andersen (Wer noch?).
 Aber natürlich finde ich auch die traditionellen Kunstmärchen wirklich toll! Sie haben einfach diesen unverwechselbaren Charme, den man kaum noch so rekonstruieren kann.

Wie sieht es bei euch so aus? Was mögt ihr lieber, und warum?
Habt ihr ein Lieblingsmärchen?



Kommentare:

  1. Ein super schöner Post :) ich kann gar nicht sagen warum, er gefällt mir einfach :)

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  2. Ob ich deswegen (auch) in den Schwarzwald gezogen bin, weil mir "Das Kalte Herz" so gut gefällt oder mir "Das Kalte Herz" jetzt besonders gut gefällt, weil ich in den Schwarzwald gezogen bin, das ist nicht ganz klar :)
    Aber ganz klar ist das mein Lieblingsmärchen - und obwohl es ein Happy End hat und die Holländer die bösen sind (was ja auch stimmt, hahaha!), ist es sicherlich ein Kunstmärchen. Ich warte ja immer noch darauf, dass meine Schwiegermutter, meine Frau und meine Tochter (die alle Sonntagskinder sind) in den Wald gehen und rufen:
    Schatzhauser im grünen Tannenwald
    Bist viele Hundert Jahre alt
    Dir gehört all Land wo Tannen steh'n
    Lässt dich nur Sonntagskindern seh'n!

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  3. Huhu liebe Emilie!

    Wieder ein toller Beitrag! ♥
    Zu meinen liebsten Märchen gehört "Die kleine Meerjungfrau" schon sehr lange.
    Auch wenn ich natürlich ein riesen Disney Fan bin und Happy Ends immer "schöner" zu lesen sind, berührt mich doch die Erzählung von Hans Christian Andersen um einiges mehr und kostet mich gegen Ende auch immer ein Tränchen. ;)

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

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