[Autoren-Check] Arthur Conan Doyle - die Entstehung von Sherlock Holmes | Classics



Es erscheint mir eigentlich überflüssig eine Einleitung zu meinem Monatsklassiker zu machen, denn zweifellos ist Sherlock Holmes einer der bekanntesten Kunstfiguren, die es so gibt. Fast jeder kennt den schlanken Mann mit Pfeife und der Deerstalker-Mütze (die eigentlich nur in einer Geschichte erwähnt wird), auch wenn man die Bücher nicht gelesen hat. Trotzdem gibt es einige Zahlen und Fakten, die mehr als nennenswert sind. Es ist daher kein klassischer Autoren-Check, sondern betrachtet besonders den Werdegang von dem Phänomen Sherlock Holmes.

Sir Arthur Conan Doyle wurde 1859 in Edinburgh geboren und studierte dort Medizin. Die Sherlock Holmes-Werke schrieb er zwischen 1886 und 1927, insgesamt sind es genau 60 Geschichten (4 Romane und 56 Kurzgeschichten). Neben diesen verfasste er eine ganze Breite an Geschichten und Essays.
In seiner Biographie Memories and Adventures schrieb er, dass er ein begeisterter und schneller Leser war. Von 1882 bis 1890 führte er eine Arztpraxis in Plymouth, und schrieb Kurzgeschichten nebenbei. (z.B. "The Captain of the 'Pole-Star'")
 Als die erste Sherlock-Holmes Geschichte, A Study in Scarlet, erstmals veröffentlicht wurde, war Doyle gerade mal 28 Jahre alt. Doyle berichtet in seiner Biographie ebenfalls über seine Faszination von Monsieur Leqoc (Émile Gaboriau) und C.Auguste Dupin (E.A. Poe). Er wollte ebenfalls einen fiktionalen Detektiv erfinden, der etwas zeitgemäßer als die anderen war. Als Vorlage für Sherlock Holmes nahm er seinen alten Dozenten und Chirurgen Joseph Bell.

"I thought of my old teacher Joe Bell, of his eagle face, of his curious ways of his eerie trick of spotting details. If he were a detective he would surely reduce this fascinating business to something nearer an exact science. I would try it if I could get this effect."


- Sir Arthur Conan Doyle; 'Memories and Adventures'

Anfänglich wurde dieses Werk mehrfach abgelehnt, sodass Doyle die Rechte für £25 verkaufte. Mit dem Erfolg von diesem Werk in Amerika wurde er eingeladen, etwas für die Lippincott's Montly Magazine zu schreiben. Unter anderem publizierte auch Oscar Wilde dort erstmals The Picture of Dorian Grey. Doyle entschied sich dafür, eine Fortsetzung zu Sherlock Holmes zu schreiben. ('The Sign of the Four')
In dem zweiten Buch revidiert Doyle einiges aus dem ersten Buch. Zum Beispiel, dass Holmes kein Wissen über Philosophie habe. Aber auch die Verletzung von Watson sprang vom Arm zum Bein.

1890 zog Doyle nach London, wo A Scandal in Bohemia im The Strand-Magazin erschienen ist. Dort erschienen ebenfalls weitere Sherlock-Holmes-Geschichten. Er schrieb allerdings ebenso historische Romane wie The White Company oder The Great Shadow. 

1893 entschloss Doyle, den Detektiv sterben zu lassen, da die Geschichten zu viel Zeit in Anspruch nahmen. Er wollte sich auf andere Werke konzentrieren.

"The difficulty of the Holmes work was that every story needed as clear-cut and original a plot as a long book would do. One cannot without effort spin plots at such a rate. They are apt to become thin or break."



- Sir Arthur Conan Doyle; 'Memories and Adventures'

In The final Problem stürzt Sherlock Holmes zusammen mit dem Antagonisten Moriarty im Kampf eine Klippe in der Schweiz hinunter. Er wird von Watson für tot erklärt. 

1896 reist Doyle nach Südafrika um im Zweiten Burenkrieg zu kämpfen. Hier erhielt er seinen Ehrentitel Sir Arthur Conan Doyle für sein propagandistisches Werk The Great Boer War.

Nachdem Doyle wegen Typhus nach Norfolk gereist war, erzählte ihm sein Freund dort von der Legende eines großen schwarzen Geisterhundes. Anfangs schrieben sie gemeinsam an einer Geschichte, später kristallisierte sich jedoch ein Detektiv als Protagonist heraus, was Doyle dazu veranlasste, auf Sherlock Holmes zurückzugreifen und den Roman alleine zu schreiben. Der Hund von Baskervilles ist bis heute einer der bekanntesten Romane von Arthur Conan Doyle. Der große Erfolg führte dazu, dass Doyle den Tod in den folgenden Kurzgeschichten revidierte. 

Währenddessen erschuf er seine zweite berühmte Kunstfigur, nämlich Professor Challenger, der in Die vergessene Welt seinen ersten Auftritt hat. Diese frühe Science-Fiction-Geschichte ist jedoch in Deutschland weitgehend unbekannt. 

Der letzte Sammelband The Case-Book of Sherlock Holmes erschien 1927, denn nur drei Jahre später starb Doyle wegen eines Herzinfarkts. Er wurde auf dem All Saints Churchyard in Minstead beerdigt. Sein Grab ist bis heute erhalten geblieben.



Kommentare:

  1. Hey :)

    Neben der eigenen Arztpraxis auch noch Kurzgeschichten schreiben? Da hat sich Sir Arthur Conan Doyle aber an etwas gewagt. Und der eigene Dozent als Vorlage - witzig.^^
    Ist das nicht ein wenig verwirrend, wenn man mehrere Bücher von ihm liest und in jedem revidiert er etwas von den Geschichten davor? Also, ich habe bis jetzt ja noch kein Buch von ihm gelesen, deswegen kann ich mir das so schlecht vorstellen...

    Liebe Grüße :)

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    1. Huhu!
      Wirklich aus der Reihe springt eigentlich nur der erste Roman. Im späteren Verlauf werden alle "Abweichungen" noch recht schlüssig erklärt und sind daher gut unter einen Hut zu kriegen :)
      Dass die Bücher ein wenig voneinander abweichen finde ich ganz charmant, da es auch auf den Werdegang zurückschließt! Kann aber auch sein, dass ich da die einzige bin, die das interessant findet.. ^^

      liebe Grüße!

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    2. Ah, okay. :) Dann macht das ja doch Sinn. ;)
      Wenn man den Werdegang zu den Büchern kennt, kann es wirklich ganz interessant sein, den quasi beim Lesen „mitzuverfolgen". Zumindest ein interessanter Gedankengang. :)

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  2. Huhu!^^

    Ich wusste gar nicht, dass er Medizin studiert hat, aber das erklärt vielleicht, warum Dr. Watson Arzt ist. :D

    Ich hab auch schon hier und da mal aufgeschnappt, dass es damals einfacher war, Bücher in den Staaten zu veröffentlichen statt in Europa, weil es dort wohl einfach verhältnismäßig wenig Bücher gab im Vergleich zu hier.

    Auch witzig, dass sein größter Erfolg eintrat, nachdem er eigentlich gar keine Lust mehr auf Sherlock hatte. :D
    Dieser vermeintliche Tod von Sherlock wird auch in den Spielen immer wieder mal thematisiert, bzw. taucht auch Moriarty mitunter wieder auf.

    Liebe Grüße
    Shirley ♥

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    1. Huhu :)

      Ich meine während den Recherchen sogar gelesen zu haben, dass Doyle sich in der Rolle von Watson gesehen haben soll, während er die Romane geschrieben hat ^^
      Insgesamt glaube ich, dass Amerika damals mehr Talente gefördert hatte. Der Markt war wohl einfach da.
      Ich kannn schon total verstehen, dass man so ausgeklügelte Romane nicht so Laufband-Mäßig produzieren kann. Aber Erfolg tritt bei Künstlern ja sowieso erst ein, wenn die keinen Bock mehr haben :D


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    2. Das kann gut sein! Ich weiß grad nicht mehr wie das in den Büchern ist, aber in den Spielen ist es so, dass Dr. Watson die Abenteuer von Sherlock Holmes aufschreibt und im Strand veröffentlicht. Aber kann auch gut sein, dass das in den Spielen nur wieder so ein Seitenhieb ist.^^
      Da ist es am Ende von dem Jack-the-Ripper-Spiel zum Beispiel so, dass Watson fragt, worüber er jetzt schreiben soll, denn die Wahrheit darf ja niemand wissen (man weiß ja bis heute nicht, wer Jack the Ripper war, aber Sherlock hat es natürlich rausgefunden^^) und Sherlock sagt dann, er solle eine Geschichte erfinden, die weit weg von London spielt, vielleicht irgendwas mit einem Dämonenhund. :D

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  3. Mensch! Nachdem ich jetzt ein bisschen durch deinen Blog geblättert habe bin ich total begeistert! Erstmal sieht er wunderschön aus, aber was dann besonders ist: deine Post sind auch noch mega toll! Da bleibe ich direkt mal als Leserin da!

    Liebe Grüße,
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    1. Huhu Meike!

      Vielen Dank für das Kompliment ♥♥♥
      Ich freue mich, dich als Leserin begrüßen zu dürfen :)

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