[Rezension] Skargat - der Pfad des schwarzen Lichts

Daniel Illger || Skargat || Klett-Cotta (Hobbit Presse) || 568 Seiten || 17,95 || ISBN: 978-3-608-94642-0 

Zusammenfassung:

Es ist das Jahr der bösen Ernte, als Mykar in einem kleinen Dorf geboren wird. Und schon bei seiner Geburt wird ihm vorgeworfen, er sei ein Skargat-Kind. Dass er nicht sofort getötet wurde, verdankt er schließlich Illiam, dem Geweihten des Dorfes. Dennoch wird ihm sein Leben schwer gemacht, verstoßen und verachtet. Nur Cay, Sohn von Illiam und vom ganzen Dorf geliebt, hält zu ihm. Als eines Tages ein grausames Verbrechen geschieht, wird Mykar die Schuld zugeschoben und von den Bewohnern tot geprügelt. Zumindest glauben sie das. Mykar ist irgendwo zwischen dem Leben und dem Tod und findet nur noch Zuflucht im Wald.
Jahre später wird seinem alten Freund Cay der Mord an einem Adeligen vorgeworfen. Mykar macht sich daraufhin auf, um ihm zu helfen. Auf seinem Weg zur Hauptstadt trifft er neue, andere Menschen, die ihn begleiten. 


Cover:

Ich war ein ziemliches Cover-Opfer bei diesem Buch. Ich mochte das Cover sogar so sehr, dass ich es mir gekauft habe, obwohl ich von der Leseprobe nicht sonderlich begeistert war.
Es spiegelt vor allem ziemlich gut wieder, was das Buch beinhaltet: eine düstere und mystische Geschichte, die sich viel mit dem Thema des Todes auseinandersetzt. 
Schädel und Rabe haben beide eine Bedeutung im Buch, wobei die genaue Stellung erst während des Lesens aufgedeckt wird. Was genau die Bedeutung von Skargat ist, muss man allerdings selbst herausfinden.

Eine komplexe Geschichte

Eins kann man dem Buch sicherlich nicht vorwerfen: Einseitigkeit. In den knapp 600 Seiten passiert eine ganze Menge und man muss schon ein bisschen mitdenken, um die Handlungsstränge, die vielen Facetten und die kleinen Details zu verstehen.
Aber zunächst einmal zu dem groben Aufbau. Das Buch besteht aus drei Teilen, die jeweils von einem Prolog eingeleitet werden, einem Epilog und sehr schön umgesetzten Karten vom mittelalterlich wirkenden Ahekrischen Reich, dem Ort, an dem die Geschichte stattfindet. Außerdem hat das Buch insgesamt 65 Kapitel, was  im Durchschnitt also ungefähr 9 Seiten pro Kapitel macht.

Die Geschichte wird von drei Personen in der Ich-Perspektive erzählt. Einmal natürlich Mykar, mit dem die Geschichte beginnt. Dann noch Justinius, ein Adelssohn, der von seinem Vater allerdings von der Burg gejagt wurde und sich nun allzeit betrunken mit seiner verrückten Magd Scara durchs Leben mogelt. Und später kommt Vanice hinzu, die aus einer eigentlich heilen Welt zu stammen, doch von einem Fluch belegt zu sein scheint.
Der Perspektivwechsel ist Illger ausgesprochen gut gelungen. Er hat jeder Figur einen eigenen Sprachstil verliehen: mal schüchtern, mal lebhaft, mal derb. Das tut nicht nur dem Lesefluss gut, sondern auch den Figuren selbst: Sie wirken sehr authentisch und lebhaft. Ob man nun mit den Personen an sich klar kommt, ist noch einmal eine ganz andere Sache: zwar konnte ich mit Mykar mitfiebern, doch sympathisch wurde er mir bis zum Ende nicht richtig. Zwischenzeitlich haben mich die Personen in einzelnen Szenen ein wenig an Terry Pratchett erinnert. Sie sind sehr speziell und man hat das Gefühl, dass man solch eine Art von Person noch nicht so oft erlebt hat. Daniel Illger hat bei einem Gespräch auch von Tim Burton als Inspiration gesprochen. Diese Art, morbide Themen auf eine teils humoristische, teils naiv anmutende Art wiederzugeben, lässt sich tatsächlich auch in dem Buch ein paar Mal finden. 
Die Gespräche mit Scara und Justinius brechen die dunkle und schwermütige Stimmung ebenfalls. Völlig verrückt und teilweise sehr derb in der Sprache musste ich oft schmunzeln. 

Ahekrien selbst ist ebenfalls toll und auch sehr direkt beschrieben. Ich weiß nicht wie, aber Illger hat es geschafft, dass die ganze Welt eine angenehme Selbstverständlichkeit ausstrahlt. Es wirkt nicht so gezwungen gewollt, wie bei anderen Büchern. Vielleicht liegt es daran, dass der Anteil an ungeschönten Passagen nicht gerade gering ist. Illger erwähnte auch, dass er die Welt recht lange beim Rollenspiel entwickelt hat - und das merkt man auch. Man taucht gerne und leicht ein.

Besonders am Anfang ist das Buch unheimlich verwirrend. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Es ist aber auch definitiv kein Buch, das man einfach so herunter liest. Man muss schon sehr aufmerksam sein, um den Zusammenhang nicht zu verlieren. Ich musste einige Stellen zweimal lesen, denn ich hatte das Gefühl den Anschluss zu verlieren. (Vielleicht ist es auch einfach nur so bei Fantasy - das lese ich ja nicht so oft)
 Es kam mir am Anfang auch vieles recht belanglos vor, ich hatte das Gefühl, dass der Autor zu sehr ausschweift - dies habe ich aber im Laufe des Buches immer mehr zu schätzen gelernt. 

Zu diesem Buch folgt übrigens eine Fortsetzung und dementsprechend ist auch das Ende offen gehalten. Ich habe gehört, dass es recht viele zu offen fanden. Teilweise stimmt das auch, wobei ich schon finde, dass es zu einem Ende kommt. Es sind allerdings sehr viele offene Fragen übrig geblieben und viele Handlungsstränge nicht fertig erzählt.

Fazit:

Daniel Illgers Debüt-Roman hat mich äußerst positiv überrascht. Man merkt an jedem Punkt, dass das Buch liebevoll und detailliert ausgearbeitet wurde - und der Sprachstil tut sein übriges. 
Wenn man erst einmal drin ist, versinkt man total gerne in die Geschichte. Ich liebe die Charaktere und auch die unverbrauchte Story. 
Es ist dennoch ein Buch, bei dem ich mich anfangs sehr schwer getan habe. Vielleicht liegt es auch an mir, dass ich zu doof bin und mich zu sehr verwirren lasse. Vielleicht ist es auch gewollt und soll Spannung aufbauen - bei mir hat das zumindest (leider) nicht geklappt. 


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