[Rezension] Unsichtbar


Paul Auster | Unsichtbar | Rowohlt Verlag | 9,99 € | 320 Seiten | ISBN:978-3-499-25257-0

Zusammenfassung:


Und da sind wir schon am ersten Problem: Wie soll man dieses Buch nur zusammenfassen? 
Auf einer Party im Jahre 1967 lernt der junge Student Adam Walker den aus Frankreich stammenden Gastprofessor Born kennen. Adam möchte zukünftig als Lyriker arbeiten und ist Born überaus dankbar, als er ihm das Angebot macht, mit ihm eine Literaturzeitschrift zu gründen.
Born wird jedoch wie kein anderer das Leben des jungen Schriftstellers bestimmen. Bei einem nächtlichen Spaziergang begeht Born einen kaltblütigen Mord vor Adams Augen, droht Adam ihn nicht zu verraten und setzt sich nach Paris ab. Doch es soll nicht das letzte Mal sein, dass sie sich treffen...


 Der Vorgang des Erzählens...


steht definitiv, wie bei den meisten Auster-Büchern auch, im Mittelpunkt. Unsichtbar war mein erstes Buch von dem amerikanischen Bestseller, der in Deutschland relativ wenig Beachtung geschenkt bekommt. Und ich habe mich mit diesem Buch wirklich ein Stück in Paul Auster verliebt ;)

Eins vorweg: Das Buch ist wahrscheinlich nicht für jüngere Leser geeignet. Zum einen ist es doch recht sexuell (und inzestuös), zum anderen ist es einfach von der ganzen Art her sehr kompliziert.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die sich wiederum in Binnen- und Rahmenhandlung einteilen lässt. Perspektivwechsel (Ich-, Du-, Er-Perspektive, Vergangenheit und Zukunft), sich widersprechende Teile der Geschichte, viele Dinge machen das Buch zu einem großen Rätsel, bei dem man von Auster alleine gelassen wird. 
Es gibt keine klassische Auflösung des Rätsels. Es gibt nur subjektive Eindrücke, die der Leser selbst für sich zusammenbauen muss. Und genau das macht das Buch für meine Empfinden so spannend! Immer, wenn man gerade glaubt, dass man es verstanden hat, bricht der Roman diese Illusion, sodass das Erzählen selbst in den Vordergrund rückt. Es konfrontiert uns mit der Frage, ob all dem überhaupt zu trauen sei.
Auch erzähltechnisch bietet Auster uns eine bunte Palette: Briefe, Erzählungen, Manuskripte, Tagebücher und noch mehr.
Als wäre das nicht schon bunt genug, mischt Auster auch verschiedene Genre. Man kann von einem Entwicklungsroman mit Thrillerelementen und Liebesgeschichten reden. 
Und all das soll uns zeigen:

"Indem ich von mir selbst in der ersten Person schrieb, hatte ich mich lahmgelegt, mich unsichtbar gemacht, mir die Möglichkeit genommen, das zu finden, wonach ich suchte."

Denis Scheck verspricht uns unter dem Klappentext einen "genial konstruieren Roman über Geld und Kunst, Liebe, Verbrechen und Moral." Vor allem ersten und letzten Punkt kann ich da zustimmen. Es ist ein Buch, das nicht nur erzählt, sondern den Leser irgendwie in sich mit einbezieht. Man wird unweigerlich mit der eigenen Moral, den Moralvorstellungen der Gesellschaft und der Moral im Buch konfrontiert.

"Jeder würde in ihrer Situation lügen, alle würden lügen. Lügen wären die einzige Möglichkeit."

Ich denke, dass das Buch eben doch schon ziemlich anstrengend sein kann. Eben genau deswegen. Nicht jeder Leser möchte zwangsläufig mit diesen Dingen konfrontiert werden. Ich habe auch überraschend lange für dieses Buch gebraucht. Es ist nicht ganz ohne.

Die Charaktere, übrigens, sind durch diese Vielschichtigkeit sehr detailliert und 
authentisch, wenn sie auch von sich aus ein wenig absurd sind. Allerdings kann man wirklich gut die Gedanken und Taten nachvollziehen. Es wirkt bodenständig, nachvollziehbar und wirklich liebevoll ausgearbeitet. 


Fazit:


Paul Austers Buch ist für mich ein herausragendes postmodernes Buch, das durch seine Facetten wirklich erfrischend wirkt. Man merkt, es ist kein 0815-Buch. Paul Auster zeigt wirklich sein Talent im Erzählen.
Einen Schmetterling ziehe ich ab, weil die Story selbst nicht sehr fesselnd war und mich manchmal durch die Seiten durchkämpfen musste. 


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