Goethe und der Fauststoff | Historische Bezüge, Entstehungsgeschichte, Epoche


Ein so umfangreiches Werk wie der Faust hat natürlich eine lange Entstehungsgeschichte. Definitiv kann man von einem "Lebenswerk" sprechen, da Goethe über 30 Jahre an seinem Werk arbeitete. Viele Einflüsse haben ihn dazu inspiriert.


Die Faust-Legende

Die Quellen über den historischen Faust sind sehr spärlich, weshalb man keinen genauen Lebenslauf über ihn rekonstruieren kann. Er dürfte etwa um 1480 in Knittlingen geboren sein. Es ist ebenso nicht bewiesen, ob er überhaupt einen akademischen Abschluss hat, allerdings weiß man, dass er sich als Mediziner, Astrologe, Alchemist und Magier vorstellte. 
Der Zuname Faustus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich Der Glückliche. Dies bedeutete für ihn, der sein Geld als Wahrsager verdiente, ebenso ein gutes Omen.
Faust war laut Quellen überzeugt, dass er Tote beschwören und das Schicksal aus der Hand lesen könne. Dies führte wohl schon zu Lebzeiten zu dem Verdacht, mit dem Teufel einen Pakt eingegangen zu sein.
1540 starb er wohl bei einer Explosion im Labor. Der Legende nach während er versuchte, Gold im Labor herzustellen. 

Heute befinden sich in Knittlingen ein Faust-Museum und Archiv.

Das Volksbuch Historie von D. Johann Fausten war die erste Überlieferung der Legende, die alle anderen danach maßgeblich beeinflusste. Dieses Buch soll vor allem als abschreckendes Beispiel dienen. Faust wird zur Warnfigur. Man dürfe dem Teufel niemals trauen, denn dies führe unweigerlich zur Katastrophe. 
Goethe hat als Kind bereits die Faustsage als Puppentheater gesehen. Dieses Theater geht zurück auf die Faust-Version Christopher Marlowes. Dort wird der Faust-Stoff erstmals zu einer Tragödie.

Kindsmord der Susanna Margaretha Brandt

Eine weitere wichtige Figur, die als Inspiration für die Gretchentragödie geht zurück auf die Frankfurter Magd Susanna Margaretha Brandt, die ihr neugeborenes Kind tötete. Sie wurde als achtes Kind eines Soldaten als Waise in Frankfurt auf und arbeitete später in einer Herberge namens "Zum Einhorn". Im Winter 1770 ließ sie sich von einem Holländer verführen, was sie später mit der Aussage, er hätte ihr etwas in den Wein getan, versuchte zu rechtfertigen. Sie kannte weder Namen noch Adresse des Mannes, weshalb es ihr auch nicht möglich war, ihn zu kontaktieren, als sie die Schwangerschaft bemerkte. 
Es gelang ihr zwar, die Schwangerschaft zu verheimlichen, jedoch gebar sie das Kind in einer Sturzgeburt. Aus Panik tötete sie es und floh nach Mainz. Völlig mittellos gestand sie ihre Tat, als man das tote Kind fand.
Goethe hatte zur Zeit der Hinrichtung sein Studium der Rechte absolviert. Verwandte und Bekannte Goethes waren in diesen Fall involviert. 


Faust - das Lebenswerk Goethes

Zwischen Sturm-und-Drang und Klassik

Faust beschäftigte sich nahezu 60 Jahre mit dem Fauststoff, und über 30 Jahre schrieb er an seinem Drama. Der Faust hat daher eine sehr lange und facettenreiche Geschichte hinter sich. 
Der sog. Urfaust ist noch in Prosa verfasst. Die Zwei-Seelen-Problematik fehlt komplett und die Gretchentragödie ist in ihren Grundzügen bereits zu erkennen, jedoch fehlen die Zusammenhänge der beiden Tragödien. Der Urfaust wurde in der Zeit des Sturm und Drang geschrieben, was man an dem Prosastil sehr gut erkennen kann. Züge davon erkennt man noch in der Szene "Trüber Tag - Feld".
Besonders deutlich werden die Aspekte des Sturm und Drangs durch den Geniekult. Faust erinnert an den Titanen Prometheus, der die Grenzen des Menschseins aufheben wollte. 
 Nach 10 Jahren des Ruhend hat hat sich auch die innere Einstellung Fausts geändert. Aus dem Stürmer und Dränger wurde er zu einem Hauptvertreter der deutschen Klassik, was nicht nur biographische, sondern auch geselschafspoltische Gründe hat. 
Grundsätzlich wurde die Klassik durch die Antike geprägt. Entscheidend für die Abkehr des Sturm und Drangs waren auch die politischen Entwicklungen in Frankreich. Die Ideale von Freiheit und Gleichheit führten zum Terror der Jakobiner. Der gereifte Goethe wandte sich daher von diesen Dingen ab. In der zweiten Version "Fragment" wird die Prosa in Verse ersetzt.
Auf Schillers Anregung wurde aus dem individuellen Faust zum Vertreter der Menschheit an sich. Die Menschheitsproblematik ist eine sehr klassische Problematik. So eröffnet er die Tragödie erster Teil 1808.


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