[Rezension] Wir fallen nicht


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 Seita Vuorela - Wir fallen nicht - Ravensburger Verlag - 352 Seiten - 16,99 € - ISBN: 978-3-473-40117-8

Zusammenfassung:

Die beiden Brüder Mitja und Wladimir reisen mit ihrer Mutter zu einem Ferienort, um ihren Kopf frei zu kriegen. Vor allem Mitja trägt ein schweres Laster, denn vor kurzen ist sein bester Freund Noel bei einem Unfall ums Leben gekommen. Dort lernt er nicht nur ein mysteriöses Mädchen kennen, das ihm sagt, sie wüsste wer er ist. Er lernt auch eine jugendliche Räuberbande, die sich selbst die Wracks nennen, kennen. Sie wissen nicht, wer sie sind, sondern wissen nur, dass sie an diesem Strand sind. Und so wie es scheint gibt es große Probleme zwischen ihnen und dem Mädchen.

Cover

Ich glaube, wenn mich "Der Ozean am Ende der Straße" nicht so total überzeugt hätte, dann hätte ich beim Lovelybooks-Leserpreis dieses Cover zum besten gewählt. Es trifft absolut meinen Geschmack. Ich ziehe es unheimlich gerne aus meinem Schrank, nur um es mir anzusehen! Soviel kann ich auch verraten: ein sehr schöner Titel, und total passend zum Inhalt.

 Ein unterschätztes Buch

Normalerweise lese ich ungerne Rezensionen von Büchern, die ich noch zu rezensieren habe, weil ich dann das Gefühl habe, es verfälscht meine eigene Rezension. (bzw. beeinflusst mich) Dieses Mal habe ich es aber aus reinem Interesse getan und bin auf ganz schön kritische Meinungen gestoßen.
Hauptkritikpunkte sind der fehlende rote Faden, Langatmigkeit, Verwirrung. Und auch ich muss sagen, dass das Buch nicht das spannendste, nicht das beste Buch war, das ich je gelesen habe.
Der rote Faden verliert sich tatsächlich. Man weiß nicht, wohin das Buch hin will, es fehlt die Richtung, die Spannungsbögen sind recht schwach, es ist eine eher ruhige, vor sich hinplätschernde Handlung. Das hält sich auch bis zum Ende des Buchs. Die Verwirrung kommt vielleicht daher, dass die ganze Situation nicht sehr glaubwürdig ist und sich viele Dinge erst in den letzten 20 Seiten aufklären. Ob da jeder die Geduld hat, ist fraglich.
Beschrieben werden außerdem drei "Handlungsstränge", die oft sehr willkürlich wirken. Mitja erzählt einerseits aus der Ich-Perspektive, was er am Strand und mit den Wracks erlebt.
Der zweite Handlungsstrang erzählt die Geschichte von dem Unfall und wie es dazu kam. Wobei, Handlung ist es nicht. Es sind eher Impressionen, wie kleine Erinnerungssplitter, die immer wieder eingeworfen werden. Ähnlich ist es beim dritten Handlungsstrang, der mehr Auskunft über das Leben des Mädchens gibt. Diese Kapitel wirken oft leer. Man sitzt davor und fragt sich: "Was will mir das jetzt sagen?"
Ja, Vuorela  mutet den Lesern einiges zu. Aber der Leser wird auch belohnt.
Ein unglaublich schöner Schreibstil untermalt die doch schwierige Thematik des Todes aus den Augen eines Jugendlichen. Aber auch der Strand, der Wald und die Wracks sind sehr liebevoll ausgearbeitet, Mitja und Wladimir sind wirklich sehr schön dargestellt, nicht zu überzogen oder komisch, sondern doch recht natürlich. Das Buch ist überhaupt nicht plakativ, sondern arbeitet sehr subtil. Vor allem die Auflösung hat mich total überzeugt und mich auch sehr berührt. Deswegen sollte man Geduld mit diesem Buch mitnehmen.
Deswegen fallen viele Dinge erst im Nachhinein auf. Man weiß nicht ganz, wohin es geht, aber irgendwie schwebt immer das Thema Tod durch das Buch. Es ist also echt kein Buch, das glücklich macht oder dazu da ist, um auf klassische Weise zu unterhalten. Vielleicht darf man das von diesem Buch auch nicht erwarten, wenn man es sich kauft. Es ist eher mysteriös, traumartig, aber auch sehr traurig, auf seine eigene Weise.
Ich glaube aber, dass jene, die eben solche ruhigeren Bücher - die sich auch Zeit für Dinge nehmen, die andere Bücher nicht tun würden - mögen, sehr viel Gefallen an Wir fallen nicht finden.

Fazit:

Seita Vuorela hat mit Wir fallen nicht eine sehr ruhige, wenn auch atmosphärische, traurige Geschichte erschaffen, die zwischendrin auch recht langatmig wird. Ich finde, dass das Buch vielleicht den ein oder anderen enttäuschen wird, weil es auf eine andere Art unterhält, die eben nicht die klassische Art ist. Distanziert man sich aber davon, dann ist diese Geschichte wirklich eine unheimlich schöne Geschichte. Wer es sich schon zugeschafft hat, dem kann ich nur dazu raten, das Buch bis zur letzten Seite zu lesen, auch wenn es mittendrin doch eher schwach ist.


Kommentare:

  1. Das Covern ist wunderschön :DD
    Muss ich mir mal genauer angucken! Liebe Grüße Caro :)

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    1. Ja, das Cover gefällt mir auch sehr gut! :)
      Ich würde auf jeden Fall empfehlen, mal reinzulesen bevor man es sich wirklich zulegt! Denn es ist wirklich ein bisschen eigen...
      liebste Grüße, Emilie

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  2. Also mich hatte das Buch sehr interessiert, aber ich fürchte, ich würde wohl irgendwann stecken bleiben. Ich lese gern Stoff, der flüssig geht und nichts, wo ich arbeiten und rudern muss, um weiterzulesen... ^^"
    Das Cover ist aber wirklich superschön!

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    1. Kann ich total verstehen! Ich kenne das auch, dass man von Büchern unterhalten werden will und nicht das Buch unterhalten muss... ;)
      Leider habe ich auch noch kein Pendant zu diesem Buch gefunden, das sich irgendwie von der Story her besser etablieren würde. Daher an dieser Stelle leider auch keine Empfehlung. Aber du wirst es auf jeden Fall mitkriegen, falls ich so ein ähnliches Buch finde :)

      liebste Grüße,
      Emilie

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