[Rezension] Still



Bild © Eder & Bach

Autor: Zoran Drvenkar
Titel: Still
Erscheinungsjahr: 2014
Seiten: 416
Preis: 16,96 €
ISBN: 978-3-945386-00-2

Zusammenfassung:

Jedes Jahr im Winter, wenn Schnee fällt, verschwinden Kinder spurlos. Bis jetzt kam keiner zurück, bis auf Lucia, die jedoch seitdem schweigt und nur noch aus dem Fenster starrt. Der Vater eines Opfers hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Täter zu finden und sich zu rächen und mischt sich deswegen mit falschem Namen unter die Täter.  Er hofft, dass Lucia ihm helfen kann, den Fall aufzudecken, jedoch muss er erst einmal ihre Erinnerung zurückrufen.





Cover:

Gibt schlechtere! Eder & Bach ist ein neuer Verlag, der mit Still das erste Buch herausgebracht hat. Es steht den großen und älteren Verlagen aber um nichts nach. Ich liebe das Cover, auch wenn es unheimlich simpel und einfach gehalten ist. Der Name ist eben Programm, würde ich mal sagen. Nicht kitschig, nicht versucht-und-nicht-gekonnt. Einfach still.

Perfide, grotesk, absurd!

Ich denke, das ist das, was man sich bei einem Thriller an Gefühlen wünscht. Zoran Dvrenkar schafft dies in seinem Buch allemal. Es gibt drei verschiedene Erzählperspektiven: Ich, Sie und Du. Dass die Du-Perspektive genutzt wird, ist an sich nichts revolutionäres. Man selbst schlüpft sozusagen in die Rolle von Lucia, dem Kind, das als einzige das groteske Spiel der Täter überlebt hat und nun - auch noch 7 Jahre später - im Pflegeheim versorgt wird. Die Rolle des Ich-Erzählers ist die des Protagonisten, der sich Mika Stellar nennt. Ein neuer Name, denn seinen alten hat er abgelegt um sich in die Sie einzuschleusen. Mit dem Verlust seiner Tochter scheut er keine Mühen, sie ausfindig zu machen und sich an ihnen zu rächen. Er möchte sie von innen zerfressen, wie einen Parasit. 
Sie - Vier Männer, die jeden Winter Jagd auf Kinder machen. Sie jagen nur im Winter, denn der Schnee bietet ihnen Schutz. Sie machen ihre Sache organisiert und präzise.

Still beschäftigt sich mit Problemen, die man sich eigentlich gar nicht anhören möchte. Und genau das ist der Knackpunkt. Eigentlich lese ich nicht so gerne Thriller, weil viele darauf ab sind, ein Ekelgefühl durch Blut und Brutalität zu erzeugen. Drvenkar arbeitet aber ganz anders. Er erzeugt ein Gefühl von Groteskheit hauptsächlich  durch die Thematik des Kindesmissbrauchs, die hier auf die Spitze getrieben wird. Man ekelt sich davor, weil das Menschenbild, das von den Tätern gezeichnet wird, total fremd und erschreckend ist. Und genau deswegen ist er auch so schockierend, erschütternd und perfide. Als Leser ist man genau diesen Gefühlen ausgesetzt, diesem Gefühl von Widerlichkeit.
Auch ist das Buch nicht überladen mit plumpen und billigen Effektbomben oder mit Spannungsbögen, die man in diesem Genre ja oft findet.  Der Schreibstil ist der Thematik entsprechend steril und nüchtern. Es ist faszinierend, wie man mit solch einer Sprache so viel Spannung aufbauen kann, und sich am Ende die drei Perspektiven zu einer großen Geschichte zusammenfügen. 
Es gibt durchaus Stellen, an denen ich sagen würde: Neeee. Irgendwie ist das gerade sehr konstruiert.  Darauf muss man sich auch einstellen. Ich weiß nur noch nicht, ob das für oder gegen den Autor spricht, denn eigentlich werden hier Inhalte angesprochen, die man auch bei gründlichster Recherche nicht unbedingt der Öffentlichkeit preis machen muss. Und ich weiß auch nicht, ob es anders diesen Ekel-Effekt so ausgeprägt geben würde.

Fazit:

Still ist der erste Roman, den ich von Drvenkar lese und ich bin sehr froh, dass ich zu diesem gegriffen habe. Er hat in seinem Roman, wie ich finde, nichts falsch gemacht. Ein durchweg solides Buch, das ich auch gerne im Bücherschrank habe und mir höchstwahrscheinlich lange in Erinnerung bleiben wird.


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