[Rezension] Die New-York-Trilogie: Stadt aus Glas / Schlagschatten / Hinter verschlossenen Türen

Bild © Rowohlt

Autor: Paul Auster
Titel:  Die New-York-Trilogie
(Stadt aus Glas / Schlagschatten / Hinter verschlossenen Türen)
Originaltitel: City of glass / Ghosts / The locked room
Erscheinungsjahr: 1985-1986
ISBN: 978-3-499-25809-1
Preis: 9.99 €
Zusammenfassung:
In allen drei Geschichten geht es vordergründig um eine Kriminalgeschichte, die jedoch zunehmend an Bedeutung verliert. Der Klappentext verspricht, dass "Täter auf rätselhafte Weise zu Opfern" werden, "Verfolger zu Verfolgten".






Cover:


Ich kann mich noch nicht zwischen "total langweilig" und "absolut passend" entscheiden. Vermutlich ist es beides. Natürlich versucht dieses Buch auch nicht, durch einen schönen Einband jugendliche Leser zu finden. Insofern passt es wunderbar zu der Stimmung. Der Basketballkorb, verrostet und kaputt, wirkt auf mich vergänglich, blass und traurig. Und genau das ist dieses Buch auch.

Ein virtuoses Spiel mit dem Leser.

Paul Auster liebt das Skurrile, so hat man den Anschein, wenn man seine Bücher liest. Das Buch ist komisch, und man muss sich darauf einlassen und es zu Ende lesen, denn bei keinem anderen Autor zeigt sich die eigentliche Genialität so sehr am Ende, wie bei ihm.

Im ersten Teil geht es um Quinn, einen Schriftsteller, der eines Tages angerufen wird. Es wird nach dem Dedektiv Paul Auster gefragt, für den sich Quinn auch ausgibt und den Fall bearbeitet. Er wird dadurch ungewollt obdachlos.
Im zweiten Teil geht es um Blue, der einen Auftrag von Black bekommt, einen gewissen White zu observieren. Am Ende erfährt er, dass Black und White ein und dieselbe Person ist.
Im dritten Teil wird von einem Mann berichtet, der Geschichten eines vermeindlich toten Schriftsteller veröffentlicht. Dieser meldet sich jedoch bei ihm und dadurch gerät er in eine Krise.

 Man merkt von Anfang an, dass die Geschichten einen komischen Ausgangspunkt haben. Im Grunde genommen sind die Geschichten nicht nur skurril, sondern auch absurd. Es wird nicht von einem Leben vor oder nach den berichteten Ereignissen erzählt, sondern eher wirkt es wie ein herausgerissenes Stück, das man sich isoliert ansieht. Jedes Ende ist offen und lässt einen mit einem traurigen Beigeschmack zurück. Das ist Paul Austers größte Stärke. Der Leser fühlt sich vom Erzähler so zurückgelassen und alleine, wie die Figuren in der Geschichte auch.
Darüber hinaus ist sein Spiel mit dem Leser äußerst virtuos. Früher oder später entpuppen sich die Kriminalromane als Geschichten der Individuen, von Versagen und Zerbrechlichkeit. Nicht nur, dass er sehr subtil auf falsche Fährten lockt, er spielt auch mit Perspektiven, Erwartungen des Lesers, und auch Rollen. Die Figuren sind äußerst verwoben und verstrickt und auch Paul Auster selbst kommt in seinem Roman als Nebenrolle vor.
Obwohl durch diese seltsame Art der Erzählung eine große Distanz zum Leser aufgebaut wird, gehen einem einzelne Sätze und Szenen sehr nahe. Das hat mitunter damit zu tun, dass Auster sehr gut ausdrücken kann, wie er sich fühlt. Es gibt so schöne Gedanken in seinem Buch, die in einem manchmal wirklich das Gedankenkarussell anwirft.

Paul Auster zeigt mit diesem Buch die Zerbrechlichkeit der scheinbar so stabilen Leben. Er zeigt aber auch, wie schnell man sich manchmal täuschen lassen kann. Wie oft habe ich mir während des Lesens an den Kopf fassen müssen, vor lauter Plot Twists!

Ich muss auch zugeben, dass ich seine ersten Werke nicht in einem Rutsch durchlesen konnte. Für Unsichtbar brauchte ich 3 Ansätze, für die Trilogie 2. Das hat damit zu tun, dass seine Geschichten doch recht in den Hintergrund rücken und viele Passagen langatmig und langweilig werden. Ich bereue aber überhaupt nicht, es durchgelesen zu haben. Denn im Gegensatz zu anderen Büchern, die vom Unterhaltungswert zwar höher waren, bleibt mir dieses Nachhaltig im Kopf.

Fazit:


Wer gerne kopflastige Bücher liest, sollte dieses oder ein anderes Buch von Paul Auster mal ausprobieren. Auch wenn viele Passagen doch recht langweilig sind eine Distanz zum Leser aufgebaut wird, ist sein experimenteller Schreibstil und der Plot sehr eindrucksvoll.
In diesem Buch geht es wirklich um die Art des Schreibens und nicht um die Geschichten. Darauf muss man sich einlassen können und ich persönlich finde es unheimlich faszinierend.


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