[Rezension] Die Mechanik des Herzens



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Autor: Mathias Malzieu
Name: Die Mechanik des Herzens
Originaltitel: La Mécanique du Coeur
ISBN: 978-3-570-58508-5
Seiten: 192 Seiten
Zusammenfassung:
Am 16. April 1874 wird Jack in Edinburh - am kältesten Tag aller Zeiten - geboren. Und das Schicksal meint es nicht gut mit dem Jungen, denn bei seiner Geburt gefriert auch sein Herz. Madeleine, seine Ziehmutter, die auch leidenschaftlich gerne Protesen baut, schenkt ihm noch am selben Tag ein Herz, und zwar in Form von einer Kuckucksuhr. Sie muss jeden Tag aufgezogen werden und ist zusätzlich auch noch sehr empfindlich, denn er darf sie weder anfassen, noch sich aufregen und auf keinen Fall darf er sich verlieben. Der träumerische Jack aber verliebt sich auf den ersten Blick in die schöne Tänzerin Miss Acacia. In seiner unendliche Liebe nimmt er größte Gefahren auf und begibt sich in eine phantastische Reise.



Das Cover:

Mal ganz ehrlich, ist das nicht eines der bezauberndsten Buch-Cover, die es überhaupt gibt? Ich finde, dass es genau das wiederspiegelt, was in dem Buch vorkommt: unendliche Liebe, Märchen, Abenteuer.

Über vergängliche Herzen und unendliche Liebe

"Erstens: Rühr deine Zeiger nicht an!
Zweitens: Zügle deinen Zorn!
Drittens: Verschenke niemals dein Herz - an niemanden! 
Denn sonst wird der Stundenzeiger deiner Uhr sich dir durch die Haut bohren, deine Knochen werden bersten, und die Mechanik deines Herzens wird für immer stillstehen." (s.S. 36)
Mir bleibt nicht mehr zu sagen als: Danke, lieber Herr Malzieu, für dieses Geschenk an die Literatur. Auf so eine originelle Geschichte, die meinen Geschmack inhaltlich und stilistisch so trifft, habe ich schon lange gewartet. Ich liebe die altmodische, französische Darstellungsart, die sich nicht nur in der beschriebenen Landschaft, sondern auch in der Sprache zeigt. Malzieu hat einen so unglaublich malerischen Erzählstil, bei dem Märchen-Feeling garantiert ist. Mit einer solch metaphorischen Wortgewalt und detailliert beschriebenen Bildern wird das gesamte Buch zu einem riesigen poetischen Werk. Es spiegelt Jacks verträumtes, naives Inneres so gut wieder, dass man kaum die Möglichkeit hat, nicht mit ihm mitzufiebern. Emotionale Situationen werden im Kopf zu bildhaften, und die Bilder erinnern an einen selbst.
In gewisser Weise erinnert es an den standhaften Zinnsoldaten von Hans Christian Andersen, in dem der geschwächte Mann immer wieder für seine Liebe standhaft bleibt und sich dadurch auf ein aufregendes Abenteuer begibt. Ihm wird nichts in die Wiege gelegt, ständig muss er tapfer sein, um Miss Acacia zu erreichen.
Aber Malzieus Märchen geht über die altmodischen Märchen hinaus: Die Charaktere haben eine unheimlich persönliche Eigenschaft. Es ist nicht die perfekte Tänzerin, und auch nicht der perfekte Protagonist, den man sonst kennt. Und auch dem Antagonisten wird so viel Tiefe zugestanden, dass ihm die Bezeichnung als "Antagonist" gar nicht mehr gerecht wird. Er hat seine eigenen, tief berührenden Gründe, die dem Leser klar machen, dass es eben nicht nur schwarz und weiß gibt.
Dabei ist es inhaltlich so einfach und klar: Diese Geschichte erzählt vom Anderssein, von der unendlichen, aber auch von vergänglicher Liebe, die dem ganzen Buch eine so melancholische Ader einhaucht.
Umso trauriger macht mich das Ende. So sehr ich das ganze Buch auch liebe, so hat mich das Ende enttäuscht. Ich habe die Geschichte ruhen lassen und glaube nun das Ende verstanden zu haben. Aber während des Lesens war ich bitter enttäuscht, wütend... aber vielleicht soll das auch so sein? Man weiß es nicht.

Fazit und Empfehlung:

Malzieu entführt den Leser in eine phantastische Welt voller pulsierender Gefühle, liebevoller Momente und gefrorener Trauer. Die originelle Geschichte und der lebendige Sprachstil sind angenehm erfrischend und verzaubern vornehmlich ein etwas älteres Publikum. Von einem Kindermärchen kann nämlich keine Rede sein.
Für alle Freunde von Andersens Märchen und auch für Liebhaber des kleinen Prinzen würde ich dieses Buch auf jeden Fall empfehlen.













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