[Rezension] Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?

Kaum ein Buch wurde bis jetzt so oft aus meinem Bücherschrank gezogen, kaum ein Buch wurde so passioniert unterstrichen und bearbeitet, kaum ein Buch habe ich sooft verschenkt und empfohlen - ja, es handelt sich um Richard David Prechts Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?

Das Buch:


http://www.randomhouse.de/Buch/Wer-bin-ich-und-wenn-ja-wie-viele/Richard-David-Precht/e421315.rhd
Bild © Goldmann Verlag
Autor: Richard David Precht
Titel: Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?
Erscheinungsjahr: 2007
ISBN: 978-3-442-31143-9
Seiten: 400 Seiten (davon 21 Seiten Anhang)
Klappentext:
"Bücher über Philosophie gibt es viele. Aber Richard David Prechts Buch ist anders als alle anderen. Denn es gibt bisher keines, das den Leser so umfassend und kompetent - und unter Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse - an die großen philosophischen Fragen des Lebens herangeführt hätte: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Was darf die Hirnforschung? [....] "







Aller Anfang ist... schwer

Das Buch stellt eine philosophische Einführung dar, wie sie selten zu finden sind. Seit es die Philosophie gibt, blieb sie immer nur der Elite der Gelehrten offen, der Normalbürger konnte sich nicht damit befassen, weil niemand seine Philosophie so verständlich schrieb, dass solche es verstehen könnten. Glücklicherweise hat sich dies mittlerweile etwas gelegt. Auf dem Markt gibt es eine Hand voll richtig guter Einführungen für Leute, die sich vorher noch nicht näher damit beschäftigt haben. 
Eines dieser Bücher ist Wer bin ich. Precht teilt sein Buch in 3 Teile, in Anlehnung an die vier Fragen Kants:

Was kann ich wissen?

   - Was ist Wahrheit?
   - Was sind Gefühle?
   - Wer ist "Ich?

Was soll ich tun? 

   - Was ist das Gute?
   - Kann ich wollen, was ich will?
   - Warum die Natur schützen?
   - Darf man Menschen klonen?

Was darf ich hoffen? 

   - Gibt es Gott?
   - Was ist Freiheit?
   - Was ist ein glückliches Leben?
   Hat das Leben einen Sinn?

Die Unterpunkte sind nur Teilaspekte der Kapitel, aber alle aufzuführen wäre wohl zu viel. Von der Antike, über die Aufklärung bis hin zur Moderne werden die wichtigsten Philosophen, wie auch ihre Philosophien kurz und bündig vorgestellt und mit modernen und alltäglichen Vergleichen anschaulich dargestellt. Mit viel Humor und leichter Sprache lockert er die trockene Thematik zusätzlich auf. Er zieht Bezüge zu allseits bekannten Dingen, z.B. Matrix, Raumschiff Enterprise, und stellt oft direkt Fragen an den Leser selbst, der sich vor dem eigentlichen Start des Kapitels selbst seine Gedanken machen kann.
Der Schwerpunkt des Buches ist definitiv die Ethik. Auch wenn Sprachphilosophie und Erkenntnistheorie mehrmals angesprochen werden,werden auch sehr konkrete Fragen diskutiert, wie zum Beispiel Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbruch und Vegetarismus.
Bei all dem Unterhaltungswert vergisst Precht auch die Biologie nicht. Er argumentiert ebenso mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen und lässt nicht alles in der Metaphysik versinken. Man könnte jetzt noch sagen, dass vieles ein bisschen zu kurz geraten ist, und noch viel mehr sehr ungenau. Aber als eine grobe Übersicht reicht das Werk vollkommen aus, sofern man sich noch nicht näher mit der Philosophie beschäftigt hat. 

Precht schafft gibt mit diesem Buch einen wirklich guten Start in die Philosophie und auch jene, die sich mehr mit ethischen und alltagsbezogenen Aspekten beschäftigen, wird dieses Buch ansprechen. 
Jene, die allerdings schon Vorwissen haben und bereits Primärliteratur gelesen haben, könnten einiges als zu schwach ausgeführt ansehen. 

Sachbücher unterliegen bei mir keiner Wertung - trotzdem mag ich dieses Buch wärmstens  für empfehlen. 


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