[FILM zum BUCH] Homo Faber

Ich bin unheimlich froh, endlich den Film von Homo Faber gefunden und gesehen haben zu dürfen. Zwar besitze ich ihn selbst nicht, allerdings habe ich ihn gerade erst in der Schule gesehen.

Achtung: Diese Filmrezension setzt voraus, dass man das Buch bereits gelesen hat. Andernfalls herrscht Spoilergefahr!

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DER FILM:

Titel: Homo Faber
Erscheinungsjahr: 1991
Länge: 117 Minuten
Regie: Volker Schlöndorff
Besetzung:
  • Sam Shepard: Walter Faber
  • Julie Delpy: Elisabeth (Sabeth) Piper
  • Barbara Sukowa: Hanna Piper
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 MEINE MEINUNG:

Max Frischs Roman Homo Faber erzählt von dem Leben von dem Ingeneur Walter Faber und seiner inneren Wandlung vom rational denkenen Person zu einem Emotionen zulassenden Menschen, ausgelöst von der Begegnung Sabeths, in die er sich verliebt. Sabeth allerdings ist seine eigene Tochter, was er erst nach einem Unfall erfährt, bei dem sie stirbt. Mit Volker Schlöndorffs Buchadaption, die 1991 in den deutschen Kinos erstmals ausgestrahlt wurde, wird der Weltbestseller erstmals verfilmt.
Schlöndorff schafft durch die Besetzung eine sehr authentische Wiedergabe eine sehr gelungene Atmosphäre. Sam Shepard, der den Protagonisten Walter Faber spielt, passt sowohl vom äußerlichen Erscheinungsbild, als auch von seiner ruhigen, einfachen Art her wunderbar in die Rolle des Ingeneurs. Ebenso die damals 22-jährige Julie Delpy scheint für die Rolle Sabeths wie geschaffen. Jung, lebendig und fröhlich bildet sie einen stimmungsvollen Kontrast zu Shepard.
Der Erzählstrang des Filmes hält sich recht streng an die Buchvorlage, Faber und Sabeth erleben auf ihrer Reise durch Europa vieles, das sehr detailgetreu nachgestellt wird. Dies wird dem Film jedoch ab und zu zum Verhängnis. Während das Buch durch die Ich-Perspektive Fabers Handlungen erklärt, wird im Film nur selten deutlich, was Faber mit seinen Handlungen beabsichtigt. Oft ist man sich nicht einig, ob Faber nun an seinem rationalen Weltbild festhält, oder sich doch den Emotionen hingibt. Es wirkt eher wie ein unordentliches Hin und Her, das für den Zuschauer nur dann ersichtlich ist, wenn er das Buch gelesen hat. Fest steht, dass er mit seinen Gefühlen weit offener umgeht, als im Buch. Wichtige Motive werden im Film jedoch dem Ende hin zunehmend ausgelassen. Der komplette zweite Teil des Buches, indem es um Fabers Leben, seiner eigentlichen Wandlung und um den Tod und das Verarbeiten der Schuld geht, wird im Film komplett ausgelassen. Dieser endet nach bei der Rückreise Fabers von Athen, wo Sabeth stirbt. Fabers Darstellung an sich wird in ein sehr gutes Licht gerückt. Ihm kommt kein einziges Mal der Verdacht auf, dass Sabeth seine Tochter sein könnte, ebenso wie er beim Schlangenbiss gar nicht bei ihr ist und die Schuld ihn gar nicht treffen kann. Hanna, gespielt von Barbara Sukowa, hingegen scheint viel unsympathischer. Immer zu lässt versperrt sie Faber den Kontakt zu Sabeth, die im Krankenhaus liegt und stellt sich zwischen beide. Hanna verliert ihre starke, gute Persönlichkeit, die sie im Buch stets aufrechterhält. Man hat viel eher das Gefühl, ihr jede Schuld anlasten zu müssen, da sie es weder Sabeth noch Faber erzählt hat. Völlig von dieser Schuld befreit fliegt Faber also nach Amerika zurück. Das meschliche Versagen und das Verpassen seines Lebens, was in Max Frischs Roman besonders heraussticht, wird hier auf eine eindimensionale, wenn auch tragische Liebesgeschichte reduziert.
Zusammengefasst kann man sagen, dass Schöndorffs Verfilmung von Homo Faber trotz der guten Besetzung und dem ähnlichen Erzählstrang der Europareise die Grundmotive des Buches nur unzureichend oder gar nicht umgesetzt hat. In den Vordergrund rückt die inzestuöse Liebesgeschichte zwischen Faber und Sabeth, von Fabers Leben allerdings wird kaum erzählt.

Für alle Liebhaber des Buches würde ich den Film daher nicht empfehlen.


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