[Rezension] Homo Faber


Autor: Max Frisch
Titel: Homo Faber
Originaltitel: -
Verlag: Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3-518-36854-1
Seiten: 201
Erscheinungsjahr: 1977
Klappentext: "Max Frischs Homo Faber ist eines der wichtigsten und meistgelesenen Bücher des 20. Jahrhunderts: Der Ingenieur Walter Faber glaubt an sein rationales Weltbild, das durch eine Liebesgeschichte zerbricht. Kein anderer Zeitgenössischer Roman stellt derart ehrlich wie hintergründig die Frage nach der Identität des modernen Menschen."


Das Cover

Ja, ich gebs zu, das Cover ist öde und langweilig und es spricht einen nicht unbedingt an. Es zeigt das Schiff, auf dem sich die beiden Protagonisten des Buches kennenlernen...
Andererseits stammt das Buch aus den 50er Jahren und ist auch kein Jugendbuch - es ist "Weltliteratur" und von daher ist es echt egal, wie es aussieht. Die Schüler in der Schule müssen es sich so und so zulegen ;)

Die Handlung

"Ich nannte sie eine Schwärmerin und Kunstfee. Dafür nannte sie mich: Homo Faber." (s. S. 47) Mit diesem Zitat erwähnt Frisch zum ersten Mal den Ausdruck, der dem Buch seinen Titel verleiht. Der Homo Faber, der "Macher Mensch" - ein Mensch, der sich von der Natur löst und dank seiner Vernunft aus der Symbiose heraustritt und sich eine eigene Gesellschaft formt. 
In Homo Faber begleiten wir den Ingenieur Walter Faber durch eine skurrile Liebesbeziehung zu der viel jüngeren Sabeth. Faber glaubt nicht an Zufälle oder Schicksale, er ist ein rational denkender Mensch und glaubt nur an Zahlen und Wahrscheinlichkeiten. Für Gefühle und alles "Weibliche" sind in seinem technisch-orientierten Weltbild kein Platz, es ist ihm fremd und unheimlich. Doch im Laufe des Buches findet eine Entwicklung statt - indem er die fröhliche, phantasievolle Sabeth kennenlernt und das Schicksal ihm selbst feindlich wird, merkt er, dass ein Mensch nicht nur vernünftig sein kann, dass sich der Mensch nicht alles erklären kann.

Meine Meinung:

Ach... was soll ich schon groß zu diesem Buch sagen. Das Buch ist ein Weltbestseller, in allen möglichen Sprachen übersetzt und jeder einzelne Satz ist bereits totinterpretiert worden. Aber ich muss es einfach sagen: Dieses Buch ist SO VERDAMMT SCHÖN.
Zugegeben, das Buch fängt extrem trocken an. Aber mit jeder Seite wird es besser. Ich habe es damals für die Schule lesen müssen und habe es innerhalb von 3 Tagen verschlungen - Ich glaube mit dem Vorleser zusammen waren es die besten Bücher, die ich je in der Schule gelesen habe.
Obwohl sich die Geschichte hauptsächlich um die Reise von Faber und Sabeth dreht, sticht die Liebe zwischen ihnen kaum heraus, sie hält sich dezent im Hintergrund. Das Interessante an diesem Buch ist die Ansicht Fabers zu den Dingen und die Entwicklung seiner inneren Einstellungen. Gerade ich, die ja fast nur mit Rationalisten zusammenlebt, schöpfe aus diesem Buch sehr viele Weisheiten, denn Fabers starr naturwissenschaftliche Weltansicht bricht nach und nach zusammen. Es kann nicht gut gehen, wenn ein Mensch nur rational denkt, auch wenn heutzutage alle Menschen nahezu nach Vernunft und Intelligenz schreien. Am Ende ergreift auch ihn sein Leben mit Wehmut, als hätte er es verschwendet. Es zeigt ganz klar eine Kritik gegenüber den Idealen des modernen Menschen.
Alles ist so detailliert und liebevoll beschrieben, dass einem alles nur so entgegenfliegt. Die Geschichte ist zwar vollkommen skurril, aber sie kommt einem nahe, Frisch hat es einfach geschafft, seine Figuren zum Leben zu erwecken. Während Faber anfänglich noch unheimlich arrogant und unsensibel wirkt, verfällt man mit der Zeit doch seiner Art. Irgendwann merkt man einfach, dass er dieses Weltbild nicht mehr aufrecht erhalten kann und empfindet zunehmend Sympathien, was sich bis zum Ende des Buches steigert - am Ende empfindet man einfach nur noch unendliches Mitleid mit dem Protagonisten, wenn das Schicksal seinen Lauf nimmt und einem die letzten tragischen Seiten die Tränen in die Augen katapultieren.
Sabeth, ein Wirbelwind, eine unheimlich liebevolle Person, die man sofort ins Herz schließt. Sie ist stets optimistisch, phantasievoll, wild und lebendig, ein wunderschöner Kontrast zu dem, fast schon ergrauten Faber. Und bei ihr das Gleiche. Man will einfach nur weinen.
Es ist ein Buch über menschliches Versagen, über die Macht des Menschen zur Natur, über Rationalität und deren Sinn, oder Unsinn, über Mythos und das alles ist verpackt in einer Tragödie, die einfach nur herzergreifend ist.

Fazit und Bewertung:

Homo Faber ist Weltliteratur und ich kann es nur nachvollziehen. In einer Welt voller Technik und Fortschritt, in der wir leben, braucht man auch mal eine Bremse, eine Pause von all dem "Wunder" und man muss sich auch immer wieder klar werden, dass der Mensch auch ein Teil der Natur ist. Ich finde, Frisch ist eine unheimlich gute und interessante Art gelungen, den modernen Menschen zu hinterfragen - allerdings ist das Buch definitiv nichts für jeden, denn der Stil gestaltet sich etwas trocken und altbacken, was auch auf das Entstehungsjahr zurückzuführen ist.
Das Buch strengt einen geistig an, es ist kein Buch, das man mal so nebenbei lesen kann. 

4,5 von 5 Punkten ! <3



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen