[FILM zum BUCH] Extrem laut & unglaublich nah

Endlich habe ich mir auch den Film zu einem meiner Lieblingsbücher bestellen können und gestern Abend ist er angekommen ♥
Ich habe mich meiner ungeduldigen Natur hingegeben und habe mir die DVD natürlich noch am selben Abend angesehen.




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Der Film


Titel: Extrem laut & unglaublich nah
Originaltitel: Extremely Loud & Incredibly Close
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: 129 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Drehbuch: Eric Roth
Regie: Stephen Daldry
Besetzung:
  • Tom Hanks: Thomas Schell
  • Sandra Bullock: Linda Schell
  • Thomas Horn: Oskar Schell
  • Max von Sydow: Untermieter
  • Viola Davis: Abby Black
  • Jeffrey Wright: William Black
  • John Goodman: Stan, Türsteher
  • Zoe Caldwell: Oskars Großmutter
Zur offiziellen Website des Films bei Warner Bros.: Klick!


Meine Meinung


Daldry ist ja bereits durch den riesigen Erfolg der Buchadaption von Der Vorleser sehr bekannt.
Aber mal ehrlich: Wann hat man mal Star-Schauspieler wie Tom Hanks, John Goodman und Sandra Bullock nur als Nebendarsteller in einem Film? Verdrängt werden diese von einem zur damaligen Zeit 8-Klässler - Thomas Horn, der den jungen Oskar auf grandiose Weise spielt.
Extrem laut & unglaublich nah handelt von dem hochbegabten Oskar, der unter dem Asperger-Syndrom leidet - er fürchtet sich vor allen möglichen Dingen, alles Laute, alles, was ihm zu nahe kommt und er kann die Gefühle anderer nicht richtig wahrnehmen. Um ihm zu helfen spielt sein Vater mit ihm ein Spiel, indem er im Central Park etwas suchen und mit Menschen in Kontakt treten muss. Eine unheimlich starke Harmonie zwischen Hanks und Horn zeigt die tiefe Liebe zwischen Vater und Sohn, die Szenen sind herzerweichend und rührend insziniert, bis an einem Tag Thomas plötzlich bei dem Anschlag am 11. September stirbt und Oskar und seine Mutter in einer tiefen Trauer zurücklässt.
Für Oskar bricht eine Welt zusammen, seine Ängste werden größer. Angst vor fliegenden Gegenständen, vor hohen Gebäuden, vor fleischessenden Menschen, vor allem, was fliegt. Auf eine sehr eindringliche Art werden etliche Beispiele gezeigt, manchmal ein wenig surreal und wunderlich.
Er findet einen Schlüssel und glaubt, dass es das letzte Spiel ist, das sein Vater ihm hinterlassen hat. Ganz eindringlich blieben mir folgende Worte im Gedächtnis:
"Wenn die Sonne explodieren würde, dann würde es 8 Minuten dauern, bis wir es bemerken würden, denn das Licht braucht 8 Minuten, bis er zur Erde gelangt. 8 Minuten lang würden wir glauben, alles sei noch in Ordnung. Die Suche nach dem Schloss war die Möglichkeit, meine 8 Minuten mit meinem Vater zu verzögern."
Der Film handelt von der Suche nach dem Schloss, aber eigentlich geht es eher um das, was Oskar sagt: Eine Suche nach einem Ausweg aus dieser Verzweiflung, eine Suche nach einem Weg, seinem Vater wieder näher zu kommen, beginnt. Es ist allerdings schwierig, den Film auf den Punkt zu bringen - es ist philosophisch, psychologisch, rührend, kitschig - ich hatte so oft die Tränen im Hals!

Daldry zaubert eine ausdrucksstarke Atmosphäre, gespickt mit vielen dramatischen Elementen. Die alltägliche, fast schon verstörende, Szene mit seiner Mutter, in der Oskar versucht, den Tod zu erklären und seine Mutter in Wut ausbricht. Besonders dann zeigt sich Horns Talent, als hätte er nie etwas anderes als die Schauspielerei gemacht. Im Gegensatz zum Buch ist dieser Film eher trüb und traurig, und auch die Geschichte der Großeltern wird eigentlich kaum bis gar nicht erläutert. Es ist ein ganz anderer Schwerpunkt gesetzt, denn der Film erzählt Oskars Geschichte, während das Buch viele verschiedene Ansätze, viele verschiedene Geschichten von vielen hochinteressanten Personen zeigt.
Hauptkritiken waren, sofern ich informiert bin, dass der Film zu skurril, viel zu unglaubwürdig dargestellt sei, dass gar nicht auf 9/11 eingegangen war. Besonders hart wurde der Autor Jonathan Safran Foer kritisiert, denn viele sagen, dass sein Roman komplett überladen und pathetisch sei.
Das Besondere an der Geschichte ist, wie ich aber erst nach einiger Zeit gemerkt habe, dass gerade diese ganzen Hintergrundinformationen zu 9/11 fehlen. Es ist die Perspektive eines Kindes, das eben diesen Tod nicht in einen politischen Zusammenhang setzen kann. Es gibt eben keine Fakten, keine Analyse, sondern nur die alltägliche Sicht eines kleinen Jungen. Und kleine Jungen denken nun einmal skurril - etwas, das älteren Menschen leider oft fehlt.
Hanks spielt allzu einen viel zu guten Vater, Bullock eine viel zu schlechte Mutter, von einer harmonischen Familie könne keine Rede sein. Dies habe ich ebenfalls vermehrt gelesen und ja, es stimmt. Aber ich fand es in keiner Weise so schlimm, dass es mich wirklich gestört hätte.

Eine wirklich überaus gelungene Buchadaption, dafür, dass es eine Buchadaption ist. Ehrlich gesagt ist es immer noch um Welten schlechter als das Buch, aber wenn ich versuche, den Vergleich zum Buch auszublenden, komme ich auf das Ergebnis: Super! Weitaus schlechter fand ich zum Beispiel den Vorleser, welcher auch mit Daldry in der Regie vertreten war.

Es lohnt sich auf jeden Fall, mal hineinzuschauen!

1 Kommentar:

  1. Mich interessiert beides, sowohl das Buch als auch der Film.
    Dass ein Film nie so ist wie das Buch ist ja logisch, schon allein deshalb, weil man im Film die allermeisten Stilmittel aus dem Buch gar nicht benutzen und andere finden muss. Zum Beispiel Gedankengänge kann man im Film ja praktisch überhaupt nicht darstellen... Und ein Film kann mit den verschiedenen Atmosphären nicht so ein großes Spektrum verwenden wie ein Buch, da ein Film dadurch unstimmig werden würde, daher muss man dann auch einfach vieles weglassen.
    Deshalb habe ich schon lange aufgehört sowas zu vergleichen und versuche beides unabhängig zu betrachten... In diesem Fall scheint der Film ganz gelungen zu sein.^^

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