[Rezension] Der Augensammler



Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Der Augensammler
Originaltitel: -
Verlag: Droemer Knaur TB
Seiten: 464
Erscheinungsjahr: 2010
ISBN: 978-3-426-50375-1
Klappentext:
"Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken. Er spielt es mit deinen Kindern. Er gibt die 45 Stunden, sie zu finden. Doch deine Suche wird ewig dauern."



Das Cover:


Das Cover ist relativ eindeutig, es zeigt ein geschlossenes Menschenauge - eben das, was man sich bei dem Titel Der Augensammler vorstellt. Das gelblich-grüne Licht taucht das ganze noch in die typische Thriller-Atmosphäre, aber ehrlich gesagt sagt es mir nicht wirklich zu. Mir sind die Farben zu grell und stark, was aber durchaus gewollt sein kann. Rundum haut mich das Cover nicht um: Es ist eben das offensichtlichste, nicht schlecht, aber auch nicht wirklich atemberaubend.

Die Handlung:


Die Geschichte handelt vom ehemaligen Polizisten Alexander Zorbach, der aufgrund eines Traumas - bei einem Einsatz erschoss er aus dem Affekt einen Menschen - von seiner Dienststelle entlassen wurde und nun als erfolgreicher Journalist arbeitet.
Nun schreibt er über einen Serienkiller, der Kinder entführt, deren Mütter tötet und den Vätern 45 Stunden gibt, um die Kinder wiederzufinden, bevor sie im Versteck sterben. Den gefundenen Leichen fehlt stets das linke Auge - darum gibt die Presse ihm den Namen Augensammler.
Nun ist ein Zwillingspaar entführt worden und die Mutter von ihnen wird tot aufgefunden. Die Polizei tappt im Dunkeln, und es scheint, als gäbe es keinerlei Möglichkeiten, den Mörder irgendwie zu schnappen, bis Zorbach an einem Abend von der blinden Physiotherapeutin Alina aufgesucht wird, die behauptet, durch bloße Berührung in die Vergangenheit anderer sehen zu können. Und sie sagt, dass sie erst gestern den Augensammler behandelt habe.
Die Polizei nimmt sie nicht ernst, aber gemeinsam mit Zorbach begeben sie sich auf die Jagd nach dem Augensammler und auf die Suche nach den beiden Kindern.

Meine Meinung:


Der deutsche Schriftsteller Sebastian Fitzek löst mit seinen Romanen großes Begeistern bei Thriller-Fans aus - auch in meinem näheren Umfeld ist jeder verrückt nach seinen Büchern. Also kam ich nicht drumherum, mir auch ein Buch von ihm mitzunehmen und meine Entscheidung fiel auf den Augensammler. 

Ich habe das Buch innerhalb von 2 Tagen durchgelesen, denn es war unheimlich spannend und fesselnd beschrieben. Besonders hat mir die äußere Form gefallen - die Seitenzahlen laufen rückwärts! So hat man jedes Mal, wenn man auf die Seitenzahl schaute, eher das Gefühl, dass man dem Klimax entgegenkommt, wie eine Zeitbombe mit einem Ticker. Mit jeder Seite, die man umblättert, wird einem bewusst, dass Zorbach und Alina nur noch eine Seite weniger Zeit haben, um die Kinder zu finden. Zusätzlich wird jedes Kapitel mit der noch verbleibenden Zeit eingeführt - eine sehr gelungene Idee!
Fitzek erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, er wechselt immer wieder zwischen dem Ich-Erzähler Zorbach, Alina, dem entführten Jungen, dem Kommissar Stoya und sogar dem Augensammler. Trotzdem schafft er es, nicht zu viel zu verraten und immer wieder überraschende Wendungen in Situationen zu schaffen, mit denen man nicht gerechnet hat. 
Die Geschichte von Alexander Zorbach beginnt auf einer Brücke, bei der er eine psychisch kranke Frau versucht zu überreden, ihm das Baby, das sie zuvor entführt hatte, zu übergeben. Es herrscht Zeitdruck, denn der Säugling droht zu ersticken. Als es schien, als wolle die Frau das Kind von der Brücke schleudern, erschießt Zorbach sie. 
Tief traumatisiert befindet sich auch Zorbach nun in Therapie, nachdem er von seiner Arbeit entlassen wurde. Auch seine Familie, seine Frau und sein Sohn Julian, verliert er dadurch. Mittlerweile arbeitet er als Journalist und recherchiert im Fall des Augensammlers, welcher zuerst die Mutter tötet, dann das Kind entführt und der Leiche eine Stoppuhr in die Hand drückt, die anzeigt, wie lange das entführte Kind noch zu leben hat. Zorbach kann wegen seines alten Berufes auf Interna zurückgreifen und trifft daher immer als erstes bei den Tatorten auf, wodurch er sich selbst zum Hauptverdächtigen macht.
Von Anfang an relativ klar, dass weniger die Frage im Raum steht, wer der Augensammler sei. Generell sind die Charaktere stark in den Hintergrund gerückt, die Vorgänge und die Handlung selbst stehen hier extrem im Vordergrund. Es geht vor allem darum, wie - und auch wer - ihn und die Kinder findet, denn der Mörder kennt seine Mitspieler gut und lockt sie immer wieder in scheinbar aussichtslose Situationen. Das Buch ist voller Wendungen, voller ständiger Überraschungen. Wenn plötzlich die Leuchttafel statt Weihnachtsgrüßen Morddrohungen zeigen, wenn der Serienkiller plötzlich die Schwächen Zorbachs kennt und diese gezielt testet, dann schießt es einem sofort in den Kopf: Wie konnte er dies alles planen? Woher kennt der Mörder all diese Details?
Auch sind die Visionen von Alina von ähnlicher Mystik. Man versteht nur Bruchteile und kaum hat man das Gefühl, dass man langsam die Strukturen durchblickt, wird es im nächsten Moment wieder verworfen.

Warum trotzdem nur 3 Punkte? Ganz einfach - es ist viel zu viel des Guten!
Fitzek übertreibt es schlicht mit seinem Spannungsaufbau. Nahezu jedes Kapitel endet mit einer Phrase wie Aber wir wussten noch ja nicht, uns noch erwarten würde. Klar ist das Buch durch all die ständigen Wendungen und Floskeln spannend, aber nach 80 Kapiteln wird wohl selbst dem letzten klar, dass dies nur eine Masche ist, die Leser irgendwie am Buch zu halten. Viel zu oft erscheint es mir, als würde Fitzek einen mit Hinweisen zuschütten und bombardieren, nur um später alles wieder zu revidieren und der Überraschungseffekt dadurch gesichert ist. Natürlich funktioniert es, die Floskeln und die Finten machen das Buch spannend und wie gesagt, ich habe es recht zügig durchgelesen. Aber den Leser so durch das Buch zu prügeln empfinde ich doch als etwas zu plump.
Die Story, die so hoch gelobt wird, zeigt ziemlich viele Parallelen zum Videospiel Heavy Rain von Quantic Dream und ist daher für mich nichts neues. (Der Origami-Killer, der Kinder entführt und den Vätern Aufgaben gibt, die er bis zu einem Ultimatum lösen muss, um sein Kind zu retten; die verschiedenen Perspektiven; die ganze Machart; die Art des Killers....) Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, oder ob Fitzek Inspiration aus dieser Story schöpfte, jedenfalls konnte ich durch diese Parallelen relativ früh erkennen, wer der Augensammler ist und wie sich die Geschichte entwickeln würde.



Bewertung und Fazit:


Nach meiner recht langen Klagerede gegen das Buch muss ich doch noch einmal deutlich machen: Das Buch ist auf keinen Fall schlecht. Es hat mir Freude bereitet und ich bereue es nicht, es gelesen zu haben. Fitzek hat die Geschichte gut verpackt und ich finde allein schon den Schreibstil sehr interessant. Mich hat die Art zumindest sehr gefesselt und noch nicht einmal die eigentlich konstruiert wirkenden Situationen und Charaktere (worauf ich eigentlich viel Wert lege) haben mir den Spaß verdorben. Ich werde mit Sicherheit noch mehr Bücher von Fitzek lesen, um mir ein besseres Urteil bilden zu können, ob er diese Hinweisbombardierung durchzieht, oder es nur in diesem Buch der Fall ist. 

Das Buch würde ich für all jene empfehlen, die auf Thriller stehen und etwas Zeit haben, denn so schnell kommt man nicht mehr von dem Buch weg. Außerdem ist es sicherlich für diejenigen interessant, die die Story von Heavy Rain bereits sehr mochten und sich nicht daran stören, eine ähnliche Geschichte noch einmal zu lesen. 

Ich würde sagen, dass es mittelmäßiges Buch ist, aber unter allen mittelmäßigen Büchern doch ein gutes.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen